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12.05.2020_Wiedersehen nach 9 Wochen Isolation

Am 09.05.2020 wurde das vollständige Besuchsverbot aufgehoben, aber mit angezogener Handbremse. Wenn wir hier nicht aufpassen, ist das ein „Spiel mit dem Leben“ wie Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Friedhelm Fiedler diese Woche sich äußerte.

Für die Leitungskräfte und Entscheider in den Kliniken und Altenheimen bedeutet dies nun eine Menge an Verantwortung und es mussten innerhalb von 3 Tagen Konzepte erarbeitet werden, die der Risikogruppe den höchsten möglichen Schutz gewährt bei gleichzeitiger Kontaktaufnahme durch Personen von außen (Besucher). Wir stellen uns derzeit jeden Tag auf neue Gesetzgebungen ein und versuchen dabei den Alltag für Patienten und Bewohner lebenswert zu gestalten, Leben zu Schützen und Leben zu retten.

Das Clementine von Wallmenich-Haus und die ambulant betreuten Wohngemeinschaften sind jetzt seit 13. März praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Es durften nur noch die Personen in die einzelnen Bereiche, die auch dafür Sorge tragen, dass es den älteren Menschen gut geht, dass sie tgl. professionell gepflegt und betreut werden. Wir konnten in unseren Einrichtungen unsere Kapazität an Pflege- und Betreuungsmitarbeitern aufstocken, zum einem, weil unsere Tagespflege seit 17.03. geschlossen wurde und das Team sich in die stationäre Pflege und die Wohngemeinschaften mit eingebracht hat, zum anderen, weil viele unserer Schwestern, Pfleger und Betreuungskräfte bereit waren in dieser Zeit ein mehr an Arbeitszeit zu leisten zum Wohle unserer Bewohner. So wurde in den Wohnbereichen in kleinen Gruppen intensive Betreuungsarbeit geleistet, damit sich die Menschen nicht einsam und verlassen fühlen.

Das Fernbleiben des Besuches von Angehörigen mussten wir in den letzten Wochen mit viel Empathie und Herz und mit enger und intensiver Betreuung ausgleichen, um den Bewohnern Sicherheit und Geborgenheit in dieser Zeit zu geben. Viele können aufgrund einer Demenzerkrankung nicht mehr verstehen, warum nun niemand mehr kommt und gerade hier war es unsere Hauptaufgebe, mit intensiver Betreuung Depression und Vereinsamung entgegen zu wirken. Das tgl. Angebot des Skypens wurde rege angenommen und es wurden die ganze Woche über Termine mit Angehörigen vereinbart, damit sie mit ihren Lieben virtuell Kontakt aufnehmen konnten.

Auch ein kleines Konzert – natürlich kontaktlos - dargeboten von 3 Geschwistern mit Klavier, Gitarre und Gesang brachte unseren Bewohnern viel Freude in ihren Alltag.

Nun soll alles wieder langsam zurück zur Normalität. Mit Vorsicht und Besonnenheit beginnen wir wieder unsere Einrichtungen nach außen zu öffnen. Zuerst begannen wir mit den Therapeuten, für viele aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr länger aufschiebbar. Physiotherapie, Ergotherapie aber auch Fußpflege werden nach und nach von uns eingeladen wieder zu kommen. Wir weisen Therapeuten in unser Schutz- und Hygienekonzept ein und wägen ab, wer dringend Bedarf hat und bei wem noch etwas gewartet werden kann.

Seit Samstag, 09. Mai, öffneten wir unsere Türen wieder für Angehörige. Aber nur eine feste Kontaktperson können wir vorerst erlauben und es gibt geregelte Besuchszeiten, von Montag bis Sonntag am Vormittag in der Zeit zwischen 10.00 – 11.00 Uhr und am Nachmittag zwischen 15.30 - 17.00 Uhr.

Die Kontaktperson wird von uns registriert, in das hauseigene Schutz- und Hygienekonzept eingewiesen und dann zum Bewohnerzimmer begleitet in dem der Besuch für max. 1 Stunde stattfinden kann. Auch das Angebot mit seinem Angehörigen spazieren zu gehen wird ermöglicht, in diesem Fall bringen wir den Bewohner nach draußen, so dass kein unnötiger Kontakt innerhalb des Hauses stattfinden muss. Das ist ein sehr zeit- und personalaufwendiger Vorgang, aber nur so können wir direkt mit dem Angehörigen sprechen und uns davon überzeugen, dass dieser sich an die Richtlinien des Hauses halten wird. Wir versuchen, möglichst sicher und genau abzuwägen und wir sind auf der Hut. Sollte es für unsere Bewohner und Mieter in irgendeiner Weise gefährlich werden oder wir nicht mehr davon überzeugt sind, dass alle sich an die Regeln halten, dann müssen wir unsere Einrichtungen wieder schließen. Eine Epidemie unter den Bewohnern innerhalb der stationären Einrichtung oder in der Wohngemeinschaft wäre fatal und kaum noch zu bewältigen.

Natürlich kann sich der Einzelne infizieren, das ist händelbar und bei guter Pflege und einwandfreien hygienischen Arbeiten auch regulierbar. So zeigte es sich, dass auch in unserem Haus sehr hochbetagte einzelne Bewohner am Coronavirus erkrankten und nach intensiver Pflege und längerer Quarantäne nun wieder genesen sind und mittlerweile negativ getestet wurden. Sie haben den Virus überlebt, das ist wichtig, denn nicht jeder ältere Mensch muss daran versterben und ein Infizierter muss nicht automatisch eine ganze Einrichtung anstecken.

Und so freuen wir uns, dass gerade unsere Mütter an ihrem Ehrentag von einem ihrer Kinder Besuch erhalten können und wir unterstützen und begleiten, damit alles gut verläuft und der Besuch sowie auch der Besuchte glücklich und zufrieden mit dem Augenblick des Wiedersehens ist und trotz Maske und Sicherheitsabstand doch eine gewisse Intimität und Herzlichkeit entstehen kann, entweder in der gewohnten Umgebung im Zimmer oder an der frischen Luft in trauter Zweisamkeit.

Artikel in der Amberger Zeitung vom 11.05.2020

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